Sie befinden sich hier: start » blog » 260803_strecke46

Strecke 46

📅 2026-08-02
🎵 Kraftwerk - Autobahn zu Teil 1

Sonntagsausflug „41“, Teil 2

Lange gekannt – nie dort gewesen. Mitten im schönen Saaletal steht ein einsamer Koloss aus Stahlbeton und rotem Sandstein. Als ich vorbei kam, war grad ein Paar dabei, ihn kletternd zu bezwingen. Ein Überbleibsel der Strecke 46, der „längsten Autobahnruine Deutschlands“.

Heute führt die A7 zwischen Hammelburg und Bad Kissingen nordwärts einen Höhenzug der Rhön entlang über Bad Brückenau Richtung Fulda. Gebaut wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg … doch die erste Planung verlief weiter westlich. Die Errichtung dieser Trasse wurde begonnen - Schneisen durch den Wald geschlagen, der Fahrbahndamm aufgeschüttet. Und Überführungsbauwerke, die die längste Bauzeit haben, wurden ganz oder in Teilen errichtet. Dazu gehört auch eben dieser einsame Brückenpfeiler im Saaletal.

Nach einem kurzen Abstecher zum Trettstein-Wasserfall, der trotz der gewaltigen Sommerhitze noch einiges Wasser führte, ging's für mich weiter auf die lange Strecke durch den Wald von Gräfendorf Richtung Burgsinn. Mittendrin ein Wanderer-Parkplatz und ein weiterer Streckenpunkt des Baudenkmals „Strecke 46“.

Ein beschilderter Wanderpfad führt dort in den Wald hinein und auf der Trasse entlang. An mehreren Stationen kann man sich eine Brunnenfassung ansehen oder das Fundament eines Bauleiter-Häuschens. Informationstafeln geben jeweils Auskunft. Die Schneise ist längst zugewachsen und nur noch am jüngeren Baumbestand erkennbar, den man auch auf dem Luft- oder Satellitenbild gut ausmachen kann.

Unser heutiges Autobahnnetz ist auf kurze Wege, mäßige Steigungen und hohe Effizienz getrimmt. Auf den Informationstafeln erfährt man hingegen, dass die damalige Streckenführung ihren Schwerpunkt auf landschaftlichen Aspekten hatte. Durch „Autowandern“ sollten die Herrenmenschen die schönsten Stellen ihrer Nation bestaunen können. Die paranoide Widersprüchlichkeit zwischen dieser Romantik einerseits und der hocheffizienten Menschenvernichtung der Nazis, zwischen Naturverbundenheit und Größenwahn, ist auch an dieser Stelle wieder unfassbar für mich.

Ein Abschluss-Eis gab's dann in Burgsinn. Nächster und letzter Stopp des Tages wäre der Sanitätswachdienst auf der Spessart-Festwoche gewesen, inklusive meinem ganz persönlichen Privat-Feuerwerk. Doch etwas hektisch wurde es dann unerwartet doch noch …

Nach oben